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Kloster-Garten-Route wird zur Radroute für Pilger

Ökumene aus 42 Gemeinden baut Bibel-Pfähle

 

An der 300 km langen Kloster-Garten-Route, die in Form einer Acht durch den Kreis Höxter verläuft, werden ab kommendem Frühjahr sogenannte Bibel-Pfähle zu entdecken sein. Sie leiten und begleiten die pilgernden Radfahrer zukünftig auf der kultur- und naturorientierten Route spirituell.

„Wir hatten uns bereits im Sommer 2017 mit fünf Personen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammengesetzt und überlegt, wie eine spirituelle Aufwertung unserer Radroute aussehen könnte“ so Christiane Sasse, Regionalmanagerin für den EU-Fördertopf LEADER. „Dabei kreierten wir verschiedene Ideen und entschieden uns letztendlich für die Bibel-Pfähle, um ein einheitliches System mit relativ puristischer Optik konstruieren zu können. Nichts, was sich dem Radfahrer aufdrängt, sondern etwas, was man nutzen kann, aber nicht muss“ ergänzt Sasse. Das Besondere an dem Projekt sollte sein, dass sich alle Kirchengemeinden der Orte, die an der Kloster-Garten-Route liegen, in das Projekt einbringen können. „Das stärkt die Verbundenheit der Menschen zur eigenen Region und macht solch ein Vorhaben für Gäste gleich viel persönlicher“ erläutert Dekanatsreferentin Gisela Fritsche.

Katholische wie evangelische Gemeinden wurden informiert. Der kleine Arbeitskreis erweiterte sich fortan zu einem gut 20köpfigen Team, dessen Teilnehmer*innen regelrecht ausschwirrten und die Idee im Kreis Höxter verbreiteten. Das Ergebnis stand im Sommer 2018 fest: 42 Kirchengemeinden wollten sich beteiligen - darunter hatten sogar vier nordhessische Gemeinden, die ebenfalls an der Radstrecke liegen, Feuer gefangen und wollten unbedingt dabei sein. Die Begeisterung war groß, etwas Gemeinsames zu schaffen. Nun konnte es losgehen. Die Konstruktion für den Pfahl wurde technisch durchdacht. Tischlermeister Josef Fuhrmann aus Marienmünster-Löwendorf war von Anfang an mit im Team und baute einen Prototypen aus 4 m langen Lärchenbrettern zusammen, Christiane Sasse ließ Probeschilder drucken und gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer i.R. Karl-Heinz Bartsch aus Warburg wurde überlegt, wie die Metallhalterung und das Betonfundament aussehen muss, um eine sichere Statik zu erzielen.

Bibelvers und Begleitbroschüre
Aber die „Arbeiten“ lagen auch in den Kirchengemeinden. Jede Gemeinde durfte sich nun ihren Bibelvers aussuchen, der eine maximale Buchstabenanzahl nicht überschreiten durfte. Diese wurden in einem Redaktionsteam gesammelt, um Doppelungen auszuschließen. „Das funktionierte ausgesprochen gut. Zwar wollten drei Gemeinden den Spruch „Brücken bauen“ verwenden“, berichtet Pastor Tobias Spittman aus Höxter-Brenkhausen amüsiert, „aber das konnte einvernehmlich geregelt werden“. Als alle Bibelverse feststanden, arbeitete jede Gemeinde ihren Vers aus. „Wir veranstalteten dazu zum Beispiel spirituelle Abende, an denen wir die Bibelstelle auslegten“ erklärt Pastor Spittmann. „Es war phantastisch lesen zu können, wie die einzelnen Gemeinden den Bogen von ihrem Bibelvers zur Landschaft, zum Ort oder zur Kirche, zum Kloster oder einfach zum Radweg als solchen spannten.“ erzählt Imke Buchholz vom Christlichen Bildungswerk Die HEGGE begeistert, die ebenfalls im Redaktionsteam mitwirkte.

Die Pfähle mit ihren Bibelversen und den dazugehörigen Erläuterungstexten geben dem Gast Impulse, um sich mit dem eigenen Glauben und der Bibel auseinanderzusetzen. „Damit werden die Gemeinden zu ganz persönlichen Botschaftern für unsere Gäste“ freut sich Pfarrer Karl-Heinz Bartsch. Die Bibelverse und Texte werden sowohl am Pfahl als auch zusätzlich mit Fotos der Gemeindemitglieder in einer Begleitbroschüre abgelichtet, die voraussichtlich ab April erhältlich sein wird.

Stempelsystem macht die Route zum Pilger-Radweg
Aber damit nicht genug. Denn damit sich der Radweg zukünftig zu einem Pilger-Radweg entwickelt, erhalten 28 Bibel-Pfähle einen Buchstaben-Stempel, mit dem in der Begleitbroschüre einzelne Seiten abgestempelt werden können. Hat man die Route vollständig erradelt, ergibt sich ein Losungswort.

Kosten und Förderung
Parallel zur Konstruktion der Pfähle und der Begleitbroschüre wurde die Finanzierung des Projektes durchdacht. Es galt cirka 80.000 € Gesamtkosten zu stemmen. Die Katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Höxter-Brenkhausen erklärte sich bereit, stellvertretend für alle Mitwirkenden Projektträger und damit Antragsteller für die LEADER-Fördermittel in Höhe von 65% zu sein. Mit Unterstützung durch das Regionalmanagement mussten hierfür viele Formalien erledigt werden. Erklärungen für Haftungs- und Verkehrssicherungspflicht pro Grundstück und Eigentümer aber auch eine statische Berechnung und vieles mehr führten zu einem umfangreichen Antrag. Den 35%igen Eigenanteil stellt freundlicherweise das Erzbistum Paderborn durch seinen Fond für innovative Projekte zur Verfügung. Somit war auch finanziell grünes Licht für die Bibel-Pfähle gegeben.

Nachdem der Antrag bewilligt war, ging es an die handwerkliche Arbeit. In drei Pfahl-Werkstätten wurden mit insgesamt mehr als 80 Ehrenamtlichen die Pfähle aus Lärchenbrettern zusammengebaut und mit den Schildern versehen. Mitglieder der Kirchengemeinden oder des jeweiligen Ortes beteiligten sich mit großer Freude daran, ihren Pfahl selbst zu "zimmern" und anderen dabei helfen zu können. Die fertigen Bibel-Pfähle mit den 1,3 Tonnen schweren Fertigbetonfundamenten stellt derzeit ein professioneller Landschaftsbaubetrieb auf. Ein ganz besonderes herzliches Dankeschön gilt all den begeisterten und engagierten Beteiligten!

Die Einweihung der ökumenischen Bibel-Pfähle entlang der Kloster-Garten-Route wird am Sonntag dem 17. Mai 2020 im Raum Brakel stattfinden.













Weitere Infos und Fotos (unter Projekte):
www.leader-in-hx.eu

Quelle Pressetext und Fotos:
Christiane Sasse
Leader-Regionalmanagement
Lokale Aktionsgruppe (LAG) Kulturland Kreis Höxter e. V.