Im vergangenen Jahr haben wir uns einen Kaffee-Vollautomaten gegönnt. Seither habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, morgens – wenn es noch still im Haus ist – ganz für mich allein einen frisch gebrühten Kaffee zu trinken.
Es ist erstaunlich, wieviel Tiefe in diesem kurzen Moment am frühen Morgen liegt:
Der Duft, der sich im Raum ausbreitet, das Gefühl der warmen Tasse in den Händen, der erste Schluck, der den Körper weckt – all das ist mehr als Routine. Es ist ein Ankommen. Ein Übergang von der Nacht in den Tag, vom Unklaren ins Bewusste. Ein Augenblick, der sagt: Ich bin da. Ich beginne neu.
Der Dezember liegt hinter uns – Wochen voller Lichter, Termine und Erwartungen. Und jetzt ist Januar. Ein Monat, der sich fast anfühlt wie ein leerer Fleck. Die Tage sind noch kurz, die Luft ist kühl und klar, und man selbst versucht, innerlich wieder Tritt zu fassen. Oft beginnt dieser Prozess unspektakulär – wie mit einer ersten Tasse Kaffee am Morgen. Vielleicht ist es genau das, was der Januar uns schenken möchte: die Einladung, im Kleinen zu beginnen. Nicht mit riesigen Vorsätzen, die uns überfordern, sondern mit kleinen Momenten der Wachheit. Wer bewusst den ersten Kaffee trinkt, übt das Staunen über das Gewöhnliche ein. Und manchmal zeigt sich in diesem Staunen etwas vom Heiligen – ein inneres Aufrichten, ein sanftes Sortieren, ein Gefühl von Verbundenheit mit dem Leben selbst.
Wenn wir uns fragen, wo Gott, wo Sinn, wo Tiefe zu finden ist, denken wir oft an große Worte oder außergewöhnliche Erlebnisse. Doch vielleicht liegt das Entscheidende näher, als wir glauben. In den dampfenden Schlieren über der Tasse. In der Wärme, die die Finger durchzieht. In der Stille, die für einen Moment nicht verlangt, sondern einfach nur da ist.
Der erste Kaffee des Tages erinnert uns daran, dass jeder Anfang klein sein darf. Dass es genügt, präsent zu sein. Und dass das Heilige oft nicht in spektakulären Momenten zu finden ist, sondern im schlichten, wiederkehrenden, alltäglichen Ankommen.
Der Januar ist ein guter Monat, um dieses unscheinbare Ritual bewusst zu würdigen. Um jeden Morgen einen Atemzug länger bei der Tasse zu verweilen. Um dankbar zu sein für das, was uns trägt. Und um zu entdecken, dass die Wärme des Kaffees oder Tees nicht nur den Körper weckt – sondern manchmal auch die Seele.
Ich wünsche Ihnen in diesem neuen Jahr viele solcher Kaffee-Momente.
Bleiben Sie behütet!
Ihre Gisela Fritsche
Dekanatsreferentin
Du Gott des Anfangs,
in diesem ersten Schluck des Tages,
in der Wärme der Tasse,
in der Stille des Morgens –
da berührst du mich.
Lass mich heute aufmerksam sein
für die kleinen Zeichen deiner Nähe.
Für das, was mich stärkt,
für das, was mich neu beginnen lässt.
Schenke mir offene Augen,
einen wachen Geist
und ein ruhiges Herz.
Segne diesen Tag,
das, was ich tue,
und das, was ich lasse.
Amen.