Es war einer dieser Vormittage, an denen mich die Lust zum Backen packte. Ich suchte nach dem Rezept, das ich vor einigen Tagen in einer Zeitschrift gefunden hatte und das versprach, dass nichts schief gehen konnte. „Ganz einfach“, stand darüber. Schon diese zwei Worte hätten mich misstrauisch machen müssen. Die Zutaten waren überschaubar, die Anleitung verständlich. Ich hatte Zeit, gute Laune und sogar alle benötigten Zutaten im Haus. Was sollte also schiefgehen?
Offenbar Einiges. Als ich den Kuchen aus dem Ofen holte, sah er nicht aus wie auf dem Foto. Genauer gesagt: Er sah nicht einmal entfernt so aus. Statt einer luftigen, goldbraunen Köstlichkeit blickte mich etwas an, das an einen beleidigten Pfannkuchen erinnerte. Irgendwo zwischen „zu wenig aufgegangen“ und „zu viel Hoffnung“.
Mein erster Gedanke: Das kann doch nicht wahr sein!
Mein zweiter: Vielleicht merkt es keiner.
Mein dritter: Eigentlich sieht der ziemlich lustig aus.
Und genau in diesem Moment musste ich lachen.
Wir kennen das alle. Nicht unbedingt beim Backen. Aber im Leben. Wir folgen den Anweisungen. Wir geben uns Mühe. Wir machen – soweit wir wissen – alles richtig. Und trotzdem kommt am Ende etwas heraus, das deutlich von der ursprünglichen Vorstellung abweicht.
Manchmal sind es kleine Dinge:
ein misslungenes Rezept,
eine verpatzte Verabredung,
ein Plan, der nicht funktioniert.
Manchmal sind es größere:
eine Beziehung, die anders verläuft als erhofft,
eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als Irrweg herausstellt,
ein Traum, der nicht aufgeht.
Wir leben in einer Welt, die Erfolg liebt. Gelungene Projekte. Perfekte Bilder. Beeindruckende Ergebnisse. Das Misslingen hat selten einen Ehrenplatz. Dabei gehört es zum Leben wie Mehl zum Kuchen. Vielleicht sogar mehr, als uns lieb ist.
Der Sommer ist eine Zeit der Fülle. Alles wächst, blüht und gedeiht. Da fällt besonders auf, wenn etwas nicht gelingt. Wenn der Kuchen zusammenfällt, die Tomatenpflanze eingeht oder der geplante Ausflug ins Wasser fällt. Aber liegt nicht gerade darin eine verborgene Gnade?
Denn das Scheitern erinnert uns daran, dass wir nicht alles kontrollieren können. Es bewahrt uns vor der Illusion, wir hätten das Leben vollständig im Griff. Es macht uns menschlich. Nahbar. Manchmal sogar sympathisch. Wer immer nur Erfolg hat, wird leicht unerreichbar. Wer auch über eigene Missgeschicke lachen kann, wird zugänglich.
Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum Jesus so oft von kleinen Senfkörnern, verlorenen Schafen und misslungenen Versuchen erzählt hat. Nicht weil das Scheitern schön wäre. Sondern weil das Leben darin nicht aufhört.
Im Gegenteil. Oft beginnt gerade dort etwas Neues. Manche der besten Geschichten entstehen aus dem, was ursprünglich schiefgegangen ist. Manche Begegnungen werden erst durch eine Panne möglich. Manche Erkenntnisse wachsen dort, wo unsere Perfektion einen Riss bekommt.
Der Kuchen wurde übrigens trotzdem gegessen. Nicht von allen begeistert. Aber von einigen mit ehrlicher Tapferkeit. Und während wir gemeinsam darüber lachten, wurde mir klar: Der Nachmittag wäre wahrscheinlich langweiliger gewesen, wenn alles perfekt funktioniert hätte.
Vielleicht ist das die Einladung dieses Monats:
Nicht jedes Misslingen sofort als Niederlage zu betrachten. Manches ist einfach ein misslungener Kuchen. Manches eine Lektion in Gelassenheit.
Und manches vielleicht sogar eine Erinnerung daran, dass wir nicht dafür geliebt werden, weil alles gelingt – sondern weil wir Menschen sind.
Mit unseren Erfolgen.
Und mit den Kuchen, die in die Knie gehen.
Bleiben Sie behütet!
Ihre Gisela Fritsche
Dekanatsreferentin
Gott,
manchmal wünsche ich mir,
dass alles gelingt.
Dass meine Pläne aufgehen,
meine Entscheidungen richtig sind
und mein Leben aussieht
wie das perfekte Rezept.
Doch oft kommt es anders.
Dann schenke mir Humor,
über mich selbst zu lachen.
Schenke mir Gelassenheit,
wenn Dinge misslingen.
Und schenke mir Vertrauen,
dass aus Fehlern wachsen kann,
was ich heute noch nicht sehe.
Bewahre mich vor dem Anspruch,
perfekt sein zu müssen.
Und erinnere mich daran,
dass du mich nicht nach meinen Erfolgen misst,
sondern mit liebevollen Augen anschaust.
Amen.