05.08.2025

25. Wirtschaftstag beim Brakeler Annentag

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz diskutiert in Brakel mit dem Mittelstand über die Wirtschaft zwischen Tradition, Verantwortung und Wandel.

Gleich zwei große Innenstadt-Veranstaltungen mit kirchlichen Wurzeln prägen den Sommer im Erzbistum Paderborn. Während in Paderborn noch das Liborifest gefeiert wird, findet mit dem Annentag in Brakel die größte Innenstadtkirmes im Weserbergland statt.

Beide Großereignisse werden unlängst von gesellschaftlich relevanten Terminen eingerahmt. In Brakel ist es der Wirtschaftstag. Zum 25. Mal trafen sich jetzt die Gäste – in diesem Jahr waren es über 400 – auf Einladung der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter mbH in der Stadthalle, um sich auszutauschen.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Michael Stickeln, Landrat des Kreises Höxter, und Hermann Temme, Bürgermeister der Stadt Brakel, sprach Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zum Thema „Zukunftsfähig wirtschaften – zwischen Tradition, Verantwortung & Wandel“ und lieferte Impulse aus kirchlicher Sicht.

Der Erzbischof traf den Nerv der Gäste, indem er deutlich machte, dass „wir derzeit in allen gesellschaftlichen Bereichen große Verunsicherung spüren“ und es eine große Herausforderung – auch für die katholische Kirche – sei, gute Antworten zu finden.

„Es reicht nicht mehr, rein auf kurzfristigen Erfolg oder reine Gewinnmaximierung zu setzen“, sagte Dr. Udo Markus Bentz in seinem Impulsvortrag. „Vielmehr wächst das Bewusstsein, dass wirtschaftliches Handeln immer auch sozial, ethisch und nachhaltig gedacht werden muss. Die Balance zwischen ökonomischem Erfolg, gesellschaftlicher Verantwortung und einem veränderten Werteverständnis wird zur entscheidenden Herausforderung – aber eben auch zur Chance.“

Prinzipien der katholischen Soziallehre

Auf den Vortragstitel bezogen, widmete sich der Erzbischof zunächst einer allgemeinen Einordnung: „Zukunftsfähig wirtschaften zwischen Tradition, Verantwortung und Wandel heißt für mich immer noch, den bewährten Prinzipien der katholischen Soziallehre zu vertrauen. Sie sind ein Kompass aus der Tradition für ein zukunftsfähiges Wirtschaften. Auf diese Prinzipien ist Verlass – sie haben sich schon in ganz anderen Krisenzeiten bewährt – eine erneuerte Rückbesinnung darauf tut not.“

Das Prinzip der Personalität bedeute etwa, dass Werte wie Vertrauen, Verlässlichkeit oder Fairness nicht nur als Soft Skills, sondern als strategische Ressourcen verstanden werden müssten.

Dr. Udo Markus Bentz lobte das regionale Unternehmertum: „Als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber schaffen Sie nicht nur Arbeitsplätze, sondern prägen Gemeinschaft. Gerade im mittelständisch geprägten Wirtschaftsraum zählen nicht nur Bilanzen und Renditen, sondern ebenso die Haltung, mit der wirtschaftlich und gesellschaftlich Verantwortung übernommen wird.“

Im Sinne des Prinzipes der Subsidiarität müsse neues Zutrauen in die Eigenverantwortlichkeit der Akteure gewonnen werden.

Ein weiterer zentraler Begriff in den Ausführungen des Erzbischofs war „Verantwortung“: „Zukunftsfähig wirtschaften in Verantwortung heißt: als Unternehmer mit meinem Unternehmen einen Beitrag leisten für das „Wir“ einer Region, für das „Wir“ einer Gesellschaft.“

Allzu schneller Wandel könne eine Gesellschaft jedoch überfordern. „Manche politischen Kräfte leben geradezu davon, dass das Vertrauen in unser gesellschaftliches Miteinander kriselt. Sie schüren aktiv Misstrauen, zelebrieren eine Empörungskultur, aber ohne selbst konstruktive Lösungen zu bieten. Das wird auf Dauer nicht gutgehen. Wir leben nicht vom Misstrauen, wir leben vom Vertrauen!“, machte Dr. Udo Markus Bentz deutlich und erhielt dafür großen Applaus.

Sein Fazit rundete den Impulsvortrag ab: „Wirtschaftliches Handeln umfasst mehr als Bilanzzahlen. Zukunftsfähigkeit erfordert Haltung, Verantwortungsbewusstsein und einen ganzheitlichen Blick. Sie übernehmen Verantwortung für die Region und stehen vor den Herausforderungen eines sich wandelnden wirtschaftlichen Umfelds.

Als Kirche verstehen wir uns als Gesprächspartnerin, Arbeitgeberin und Teil der Gesellschaft. Wir bringen keine fertigen Lösungen mit, sondern die Überzeugung, dass Wandel möglich ist, Verantwortung notwendig bleibt und Hoffnung eine Rolle spielt.“

Es folgte eine Podiumsdiskussion mit dem Blick auf den Mittelstand. Dabei diskutierten Hedwig Wecker, Geschäftsführerin, Gockeln Metallbau GmbH & Co. KG, Caspar Moritz von Haxthausen, Land- und Forstwirt, Jürgen Spier, Geschäftsführer, SPIER GmbH & Co. Fahrzeugwerk KG und Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz.

 

(Quelle: Pressemitteilung Erzbistum Paderborn vom 02.08.2025)